FLORIAN SCHNEIDER

April 07, 2017


Heute feiert Florian Schneider von Kraftwerk seinen siebzigsten Geburtstag. Ich kam mit Kraftwerk bereits in frühester Kindheit, genauer im Jahr 1980 durch meine musikalische "Mentorin" in Berührung, welche mir immer Kassetten aufnahm, die dann auf Schleife in meinem Kinderzimmer liefen, bis ich die nächste Kassette bekam.

Besonders angetan hatte es mir das Lied "Autobahn", durch seine seine Kombination aus Sphäre, Statik und Harmonie und Monotonie. Im Jahr 1980 wäre meine Bewertung natürlich deutlich simpler ausgefallen.


Das Lied "Radioaktivität" erinnerte mich immer an die bedrohliche Musik meiner Hörspielkassetten und wie auch schon bei "Autobahn" liebte ich die neuartigen, seltsamen Geräusche und das insgesamt Chorale des Stücks.


Nicht vergessen werden darf natürlich "Trans Europa Express", dessen Zwischensektion mich an die Titelmelodie vom Tatort erinnerte, der jeden Sonntag bei uns geguckt wurde und den wir merkwürdigerweise schon als Kinder schauen durften, auch wenn die Eltern ansonsten sehr restriktiv waren, was Fernsehen betraf. Musikfernsehen hatten wir damals noch nicht, deshalb habe ich diesen Clip aus einer meiner späteren Lieblingsmusiksendungen "120 Minutes" auch erst viel später zum ersten Mal gesehen. Später sampelte Afrika Bambaataa den Titel, aber das ist eine andere Geschichte.


Vom Album "Die Mensch-Maschine" sind mir gleich zwei Lieder als meine Favoriten in Erinnerung geblieben. Einmal "Die Roboter", bei dem mir wieder das Statische in Kombination mit der nur scheinbar abwesenden Seele besonders gut gefallen hat. Am Besten fand ich aber die Eingangs-/und Ausgangssequenz. Beim nächsten Karneval ging ich dann tatsächlich als Roboter.


Und dann natürlich unvermeidlich "Das Model". Ein Stück, welches tatsächlich ein wenig der Soundtrack meiner ersten Verliebtheiten war, auch wenn sich das eventuell merkwürdig liest und auch beweist, dass ich den Sinn des Liedes damals nicht wirklich verstanden habe. Leider wurde "Das Model" über die Jahre nahezu totgedudelt, super bleibt es trotzdem.


Von der Platte "Computerwelt" gefielen mir wieder zwei Stücke, aber insgesamt muss ich sagen, dass meine Begeisterung etwas nachließ. Zuerst einmal mochte ich die Wildheit von "Nummern", bei dem auffällig ist, wie stark sich Depeche Mode an ihm bedient haben, die ich auch schon sehr früh hörte.


Als hoffnungsloser Popper hatte es mir natürlich auch "Computerliebe" angetan und ich schäme mich kein bischen dafür.


Bis zum Album "Electric Café" vergingen dann fünf Jahre und als es erschien, war ich musikalisch schon woanders. Sehr gut gefiel mir damals "Boing Boom Tschak" und erst viel später habe ich das Album dann erst wirklich schätzen gelernt. Aus vielerlei - nicht ausschließlich musikalischen - Gründen ist es für mich persönlich dann zum wichtigsten Kraftwerk-Album von allen geworden. Das ist aber wieder eine andere Geschichte.


Auch wenn ich in der Musik von Kraftwerk immer starke Anteile von Ironie und Humor wahrgenommen habe, wurde mir erst durch ein Interview von Florian Schneider für das brasilianische Fernsehen klar, was für ein lustiger Mensch er ist. Ich wüsste gern, was die Dame da alles aus den Nicht-Antworten macht. Herrlich.


Alles gute zum Siebzigsten, Florian Schneider!

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2 Kommentare

  1. Bravo! Ein toller Post. Kraftwerk war und ist auch für mich der Inbegriff von Deutscher Musikkultur. Es gibt einige interessante Beiträge auf ARTE und Deutschland Radio Kultur...

    ... und jetzt höre ich genussvoll in den Sound von Kraftwerk !

    Liebe Grüßle von Heidrun

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    1. Danke! Es gibt tatsächlich einige sehr interessante Dokumentationen über Kraftwerk. Ich hoffe, die Reise in die Vergangenheit hat Freude bereitet. Ebenfalls viele Grüße!

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