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FUNDSTÜCKE KW 12


Gestern war soviel zu tun, dass die Fundstücke erst heute reinpassen. Ich gehöre nämlich nicht zu den Bloggern, die ihre Texte auf Halde tippen und dann automatisch posten lassen. Mit solch modernem Kram muss man mir gar nicht kommen. Ich brauche das direkte Gefühl, die richtige Musik und nach Einbruch der Dunkelheit auch das richtige Getränk.

Letzteres brauchte ich gestern vor Allem deshalb, weil ich mich geärgert habe. Mein Fahrrad, auf dem ich meist unterwegs bin, musste in der vergangenen Woche zum wiederholten Mal in die Reparatur. Der Mann im Laden versprach, sich diese Woche zu melden. Natürlich tat er das nicht. Bei der Nummer wurde nie abgehoben, wenn ich es versuchte, also ging ich heute mal dort vorbei. Er hatte mir das Rad zu Ende dieser Woche versprochen, was ja quasi gestern war. Als ich den Laden betrat, schallte mir sofort ein:"Dein Rad ist noch nicht fertig, dauert noch bis Mitte nächster Woche.". Während ich noch überlegte, ob das Duzen darauf zurückzuführen sein könnte, dass wir uns schonmal volltrunken verbrüdert haben (was ich definitiv ausschließen kann), ergoß sich ein Schauer von Gründen, warum er es nicht pünktlich geschafft hat auf mein Haupt. Det is Balin, wa? Erstens möchte ich nicht von Fremden geduzt werden, zweitens interessieren mich die Gründe für den Verzug nicht und drittens hätte ich einen Anruf erwartet, dass er den Termin nicht einhalten kann. Nachdem ich ihm dies mitgeteilt hatte, kühlte die Stimmung merklich ab. Seine in den negativen Bereich, meine in einen Bereich ohne strafbare Phantasien. Er röchelte nur ein "Entschuldigung, ich melde mich bei Ihnen, wenn das Rad fertig ist." heraus, ich bedankte mich und ging. So schnell kann man Dinge klären.

Vergangenen Samstag hatte George Plimpton, der hier bereits vorkam, Geburtstag und ich fand ein sehr interessantes Podiumsgespräch mit ihm vom "5th Annual Writer's Symposium By The Sea" der Point Loma Nazarene University aus dem Jahr 2000. Nicht nur stilmäßig eine Inspiration.


In ebendiese Rubrik gehört auch ein Vortrag von Paul Fussell an der Texas State University im Jahr 1999. Auf Fussell komme ich demnächst noch anderweitig zurück, solange labe man sich an dem, was er hier zu sagen hat.


Über Lee Morgan, einen meiner Lieblingsjazzmusiker, dessen Album "The Sidewinder" von 1963 zu meinen absoluten Favoriten gehört, erscheint morgen die Dokumentation "I Called Him Morgan" von Casper Collin. Als Vorgeschmack fand ich die Frage und Antwort-Session mit dem Regisseur im Anschluss an eine Vorführung auf dem "New York Film Festival" 2016 sehr interessant.


Am 14. April hat dann ausserdem endlich die Dokumentation "Chasing Trane : The John Coltrane Documentary" Premiere, auf die ich nicht minder gespannt bin und über die ich hier bereits schrieb.

Hinweisen muss ich auch unbedingt auf die grandiose deutsche Band "Rhonda", die es schon eine Weile gibt, die eben auf Tour waren und die ich ohne Wenn und Aber empfehle. Gänsehautalarm wie zu besten Cultured Pearls-Zeiten.


Gänsehaut entsteht ebenfalls bei der neuen Single "Wishing Girl" der Band Lola Marsh, deren Debütalbum ich wie kaum eine andere Neuerscheinung mit Spannung erwarte. Für diese Band kann man gar nicht genug Werbung machen. Vor Allem live ist sie sehr zu empfehlen.


Zum Thema Stil führte das Magazin "Parisian Gentleman" ein sehr interessantes Interview mit Bernhard Roetzel und auf einem meiner Lieblingsblogs "Silvae" erschien ein Artikel über die Geschichte der Berliner Mode. Beides hochgradig lesenswert.

Als Filmliebhaber und Serienjunkie vertrete ich die Meinung, dass nur der Originalton das Wahre ist, weil bei der Synchronisation viele sprachliche Eigenheiten verlorengehen und manchmal sogar der gesamte Charakter verändert wird. Dieser Meinung ist auch Klaus Ungerer, der dies in einem sehr lesenswerten Artikel mit dem Titel:"Lustig? Nicht auf Deutsch!" zum Ausdruck bringt.

An Rezepten fand ich diese Woche das Apfelkuchen-Porridge, welches umgehend getestet wird. Mit den "8 Meals Eaten At Historic Events" sind wir dann auch schon am Ende der Fundstücke angekommen.


Ich wünsche allen Lesern ein schönes Wochenende!




Gehört: Delfonic - KMS - 55 - OYE - Records

Kommentare

  1. ich komme ja auch aus einer anderen Himmelrichtung und kann mich nach fast 17 Jahren auch noch über die Berliner Dienstleistungskultur wundern, Alder!

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    1. Ich würde gar nicht sagen, dass das eine Berliner Spezialität ist. Habe sowas schon überall auf der Welt erlebt. In Berlin erlebt man es aber recht häufig, das stimmt.

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  2. Hallo Herr AGCC,
    vielen Dank für die vielen schönen Fundstücke diese Woche. Besonders gefällt mir Rhonda, kannte ich bis dato nicht. Mit so viel Gefühl gesungen und gespielt, wunderbar !
    Das Apfelkuchen-Porridge mach ich mir, in ähnlicher Weise (ohne Eiweiß),ab und zu mittags in einer kleinen Menge in der Mikrowelle (Apfel und Haferflocken separat gedünstet und gekocht); das geht schnell und ist eine leckere gesunde Sache.
    Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende
    Viele Grüße, M.

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    1. Gern geschehen, Frau Martina. Ja, Rhonda sind richtig gut. Hören Sie mal in die verlinkten Cultured Pearls rein. Gibt es leider nicht mehr, aber die Alben sind zeitlos perfekt. Auf das Apfelkuchen-Porridge freue ich mich schon.

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  3. Das mit dem Fahrrad ist nicht schön. Zumindest hätte man in diesem Laden dort ans Telefon gehen können oder noch besser von sich aus Bescheid geben können, dass sich die Reparatur verzögert.
    Was das Duzen anbelangt, ist es hier auf dem bayerischen Land sehr üblich, dass man sich duzt, und entsprechend bin ich hier tolerant. Allerdings ist das denke ich kein Freibrief für einen Ladenbesitzer in der dortigen Gegend.
    Schönes Wochenende.
    www.dressedwithsoul.com

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    1. Ja, das hat mich sehr geärgert. Inzwischen hat er sich gemeldet und mitgeteilt, dass das Rad am Mittwoch fertig ist.

      Viellicht bin ich da altmodisch, aber ich finde Duzen unter Fremden respektlos. Die Dinge liegen natürlich anders, wenn es sowieso üblich ist.

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