BUH, BOB DYLAN! YEAH, PATTI SMITH!

Dezember 11, 2016


Bob Dylan ist nicht zur Zeremonie des ihm verliehenen Literaturnobelpreises 2016 erschienen. Was soll man dazu sagen, ausser "Buh!"?

Es gab nach Bekanntgeben des Gewinners erwartbar eine kontroverse Diskussion darüber, ob das angemessen sei und der Preis nicht eventuell sogar entwertet werde. Ich bin da zwiegespalten. Letztendlich überwiegt nach langer Überlegung aber die Zustimmung zu dieser Entscheidung, wenngleich ich die Kritik in Teilen nachvollziehen kann.

Was ich überhaupt nicht verstehen kann, ist dieser peinliche Eiertanz, den Herr Dylan seitdem veranstaltete. Erst war er für die Jury wochenlang telefonisch nicht erreichbar, dann sagte er seine Teilnahme an der Zeremonie "wegen anderer Verpflichtungen" ab. Natürlich weiß ich nicht, um welche Verpflichtungen es sich handelte, aber es fallen mir kaum welche ein, die wichtiger wären, als die Verleihung des Nobelpreises.

Dylan hat Zeit seines Lebens nie das getan, was sein Umfeld von ihm erwartete. Für das größte Entsetzen sorgte wahrscheinlich seine Brüskierung der Folk-Szene, als er, der Posterboy der Szene, mit einer elektrisch verstärkten Band das Album "Bringing It All Back Home" aufnahm und mit dieser im Jahr 1965 auch beim Newport Folk Festival auftrat. Das Maß an Haß, welches dem "Nestbeschmutzer" daraufhin entgegenschlug, ist auf folgendem Video gut zu ermessen, in dem ihm ein Fan im Publikum in Manchester "Judas!" zuruft.


Auch die Abkehr von eindeutig politischen Texten wurde am Anfang nicht gut aufgenommen. Letztendlich hat er mit dieser Art der ständigen Weiterentwicklung allerdings die Musik verändert. So weit so gut. Die Sache mit dem Nobelpreis sieht aber anders aus. Niemand hätte erwartet, dass Dylan vor Ehrfurcht erstarrt, wenn er den Preis bekommt. Er hätte ihn auch ablehnen können. Das hat er aber nicht getan. Er hat erst das Kommitee wochenlang auflaufen lassen und dann mit einer (zumindest für mich als Aussenstehenden) hanebüchenen Begründung seine Teilnahme an der Zeremonie abgesagt.

Wenn der Preis durch irgendetwas entwertet wurde, dann durch dieses unhöfliche und kindische Verhalten. Ich bin enttäuscht von einem Mann, dessen Musik mich sehr beeinflusst hat. Ein weiteres Beispiel dafür, dass großartige Künstler nicht immer auch großartige Menschen sind. Die Rede hielt dann die amerikanische Botschafterin in Schweden, Azita Raji.

Ein Lichtblick war Patti Smith, die wirklich ergreifend "A Hard Rain's Gonna Fall" sang. Ihr kurzzeitiges Stocken aufgrund aus Nervosität vergessenem Text oder Überwältigung, steigerte dieses Gefühl der Ergriffenheit bei mir noch. Ich mag diese Frau einfach. Nicht nur im Publikum flossen Tränen.



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4 Kommentare

  1. Ich mag sie auch. Dylan ist nun mal ein komischer alter Mann geworden... Mehr kann man dazu glaub ich nicht sagen...

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    1. Tolle Frau! Dylan ist schon länger jemand, bei dem ich den Eindruck habe, dass es nur noch um das von ihm selbst geschaffene Image geht. Schade, denn künstlerisch war er bahnbrechend.

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  2. Hm, ich verstehe das ehrlich gesagt auch nicht. Wir hatten heute in der Arbeit gerade das Thema, dass Jubilare, die geehrt werden sollten, nicht zur entsprechenden Feier erschienen. Hier habe ich das selbe Unverständnis. Schade, wenn man so agiert.
    www.dressedwithsoul.com

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    1. Vor Allem ist es peinlich für ihn, auch wenn er das wahrscheinlich anders sieht.

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A Guy Called Classic