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LIEBLINGSLIED: ANARCHY IN THE U.K.


Heute vor 40 Jahren erschien die erste Single der Sex Pistols mit dem Titel "Anarchy In The U.K.". Da ich damals noch mit der Trommel um den Weihnachtsbaum lief, entdeckte ich den Song dementsprechend später, nämlich im Jahr 1989.

Auf Punk selbst hatte war ich durch das Skateboardfahren schon früher gestoßen, aber eher auf den amerikanischen Skatepunk und Hardcore. Wo ich den Titel das erste Mal gehört habe, kann ich gar nicht mehr sagen, aber er löste so einiges an Entwicklung in mir aus und führte mich als nächstes zum Album, welches ich für eines der besten aller Zeiten halte.

Auf der Single spielte noch Glen Matlock Bass, der das Lied auch mitkomponiert hat. Bei der Aufnahme des Albums war er bereits durch Sid Vicious ersetzt worden. Die dümmste Entscheidung der Bandgeschichte, wie die Mitglieder heute auch einräumen. Weil Sid Vicious sein Instrument kaum beherrschte und im Studio den Betrieb aufhielt, wurde heimlich Matlock herangekarrt, um die Baßlinien einzuspielen, so daß er im Ergebnis auch auf der LP zu hören ist.

Im Jahr 1990 saß ich mit meinem Vater im Restaurant bei Harrod's in London und wir wunderten uns, warum kein Kellner kam. Irgendwann beschwerte sich mein Vater und wurde freundlich darauf hingewiesen, dass mein Sex Pistols-Shirt (Die Queen mit einer Sicherheitsnadel durch die Nase) dort nicht erwünscht sei. Ich wuchs vor Stolz 10 Zentimeter, mein Vater schrumpfte vor Scham. Bei Harrod's wegen eines provokativen T-Shirts rausfliegen. Mehr Punk habe ich nie wieder geschafft.

Hier die Performance in Anthony Wilsons Sendung "So it goes" am vierten August 1976, also ein paar Monate vor Erscheinen der Single. Zu der Zeit hatten sie noch nicht einmal einen Plattenvertrag:


Ich werde mich allerdings nicht auf die Vorstellung des Songs beschränken, denn das Album muss man in Gänze hören.


Es bleibt noch festzuhalten, dass der Song auch der Ursprung eines der größten Irrtümer des Punk ist, der sich aber bis heute hält. Mit "Anarchie" hat John Lydon nie den politischen Zustand (bzw. die Abwesenheit eines solchen) gemeint. Das hat er in Interviews mehrfach betont.

Kommentare

  1. kaum 16jährig trampte ich im sommer 77 mit zwei freunden nach england. während wir in london kaum punks zu gesicht bekamen, war es in brighton genau andersherum: die stadt, der strand, die parks, alles war voller pickliger teens in schwarzen turnleibchen und mit meckifrisur. und überall schallte einem anarchy in the uk entgegen, das angeblich verboten war, wie wir hörten, aber es juckte eh keinen. wir schliefen unter einem umgedrehten fischerboot am strand und wurden alle paar tage von bobbies gefilzt, die uns für kiffer hielten, weil wir so überdreht waren. dabei waren wir nur gut drauf.

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    1. Danke für die Schilderung. Liest sich sehr gut. Mein Erlebnis ist aus dem Jahr 1990. Da war Punk schon lange tot, ihre provokative Wirkung hatten bestimmte Dinge aber offenbar noch nicht verloren.

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